Um den thüringer Bahnverkehr war es seit jeher nicht zum Besten bestellt, hat doch die CDU-Landesregierung nach der Wende wenig Wert auf öffentliche Verkehrsmittel gelegt und lieber Strassen gebaut, um dem Individualverkehr Vorschub zu leisten – zum Wohle der Wirtschaft und einiger Geldbeutel.

Die Pläne der CDU waren damals so gelagert, daß zusammen mit Parteifreunden in Berlin geplant wurde, daß Thüringen und vor allem Erfurt eines der infrastrukturellen Drehkreuze Deutschlands werden sollte. Aus diesem Grunde wurde auch alle Kraft dafür aufgewandt, hier einen ICE-Knoten und ein Autobahnkreuz zu installieren. Regionale Bahnen und ÖPNV waren etwas für Kleingeister.

Die Folgen dieser Politik sind nun im ganzen Land zu spüren. Während die Landeshauptstadt von jeder Seite erreichbar ist, werden über dem Rest des Landes Bahnlinien ausgedünnt und Buslinien reduziert. Man könnte meinen, mit Rot-Rot-Grün würde sich das wieder ändern, betonen diese Parteien in ihren Programmen doch immer wieder die Bedeutung von ÖPNV  und Bahnverkehr, doch weit gefehlt. Auch hier steht das Geld im Vordergrund und nicht der Bürger.

Ganze 2 m sind die Bahnsteige in Jena-West schmal, was zu Behinderungen beim Aus- und Einsteigen führt

Wie einst die Unstrutbahn fällt nun ein Teil der Pfefferminzbahn dem Rotstift zum Opfer. Die Strecke Buttstädt – Großheringen wird ab Dezember 2017 nicht mehr bedient. Darauf wurde bereits zielstrebig hingearbeitet, da bereits seit letztem Fahrplan Großheringen von Jena aus nicht mehr direkt erreichbar ist und damit Anschlüsse zur Pfefferminzbahn nicht mehr möglich sind. Das es hier dann zu wenige Fahrgäste gibt, war abzusehen. Die Rennsteigbahn wiederum hat nur aufgrund andauernder Interventionen von Bürgern und lokalen Behörden überleben können. Auch hier waren die Stifte bereits gespitzt.

Diese Entwicklung hat zwar R2G nicht allein zu verantworten, sie könnte aber diesem Treiben Einhalt gebieten. Durch direkten Einfluss auf die NVS GmbH, als für den Schienenverkehr in Thüringen beauftragten Unternehmen, und indirekt auf die Deutsche Bahn in Berlin über ihre Bundespolitiker. Doch das scheint nicht gewollt. Man konzentriert sich stattdessen weiter auf die Hauptstadt Thüringens. Fernverkehr auf den Hauptstrecken statt Nahverkehr flächendeckend. Aber auch Städte wie Weimar und Jena werden immer mehr vom Fernverkehr abgehangen. Der im Zuge des Umstellens der ICE-Strecken versprochene S-Bahn-Verkehr von und nach Erfurt ist in weiter Ferne.

Fluchtwege werden nun durch einen Zaun versperrt

Das unterschiedliche Maß zeigt sich auch bei der Bahnhofsanierung. Während man auf den Bahnsteigen von Erfurts Hauptbahnhof Konzerte aufführen könnte, bleiben dem Jenaer „Tor zur Welt“ in Jena-West 2 m Breite auf dem südlichen Teil des sanierten Bahnsteiges. Zu wenig zum fließenden Ein- und Aussteigen und ein Chaos, wenn Gruppen oder Fahrräder unterwegs sind. Neben diesem Mangel kommen aber noch andere Mängel wie fehlende Fluchtwege, ungünstige Haltepunkte der Züge und weiterhin fehlende Toiletten hinzu.

Auch auf dem Paradiesbahnhof  der Saalebahn sieht es nicht besser aus. Ebenso enge Bahnsteige, keine Toiletten und gerade mal ein Ab- und Zugang, auf dem sich Reisende drängeln. Wer solche Bauten genehmigt hat, sollte vielleicht einmal eine Massenpanik erleben. Der Paradiebahnhof – einst ICE-Halt – wird allerdings mehr wohl auch nicht mehr brauchen. Eine direkte Verbindung Nürnberg-Jena-Leipzig, wie auch immer geartet, ist vorerst Fehlanzeige. Was das für die Entwicklung von Jena bedeutet, kann man sich leicht ausmalen.

Aber all das bringt aber eine Landesregierung in Erfurt überhaupt nicht aus der Ruhe, ist man dort doch gut versorgt. Und ebenso wie bei der Bahn wird auch auf anderen Gebieten eine gefährliche Politik der Zentralisierung gefahren. Was den anderen Kommunen schadet kann schliesslich der Landeshauptstadt nur nützen und eigenen Plänen in die Hände spielen. Doch man sollte sich damit vorsehen – Zentralisierung hat schon einmal eine Regierung zu Fall gebracht.

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