Hier hätte ein bspw. ein Tunnel die Verkehrsprobleme der Innenstadt lösen können. Die Möglichkeit ist nun verbaut.

Das Wortgefecht zwischen den Fraktionen am letzten Mittwoch spiegelt die Misere wieder, in der sich der Weimarer Stadtrat nun befindet. Das Thema war einmal wieder die Verkehrssituation in Weimar und die Ohnmächtigkeit des Stadtrates, den Straßenverkehr in vernünftige Bahnen zu lenken. Erst distanzierten sich 2/3 der Koalition von einem selbst verfassten Antrag aus dem Jahre 2015, dann kam es zum Eklat zwischen dem Vorsitzenden des Bauausschusses Sven Steinbrück und dem Fraktionsvorsitzenden des Weimarwerkes Prof. Hölzer. Beide ereiferten sich im Wortgefecht darüber, wie man die Planungen zur Neugestaltung des Sophienstiftsplatzes beauftragen sollte derart, dass schlussendlich Weimarwerk und CDU geschlossen die Sitzung verließen.
Warum aber? Die Fraktionen im Stadtrat scheinen langsam zur Erkenntnis zu kommen, dass eine verkehrsberuhigte Innenstadt und damit verbunden eine für alle Verkehrsteilnehmer verträgliche Lösung am Sophienstiftsplatz in weite Ferne gerückt sind. Denn die zentrale Frage ist, was macht man mit dem Verkehr der sich täglich von Nord nach Süd und von West nach Ost an der Kernstadt vorbeischiebt. Wohin damit, wenn die Innenstadt so verbaut ist, wie in unserer Stadt. Will man den Burgplatz sperren, verlagert sich der Verkehr über den Goetheplatz und umgekehrt, wenn man den Goetheplatz sperrt, geht es über den Burgplatz. Sperrt man beide, was der Innenstadt und damit Tourismus und Anwohnern in jedem Falle sehr dienlich wäre, dann befürchtet man Verkehrsverlagerungen durch andere Anliegerstrassen. Auch eine für alle Verkehrsteilnehmer passende Lösung am Sophienstiftsplatz ist durch diese zerissene Verkehrsführung kaum möglich.
Wir Piraten hatten zusammen mit Bürgerinitiativen bereits vor Beginn der Bauarbeiten am Neuen Bauhausmuseums davor gewarnt, eine wichtige Achse in Weimar zu verbauen. Doch das hatte alle anderen Fraktionen mitsamt der Verwaltung wenig interessiert. Anstatt eine gut ausgebaute Linie über Coudraystrasse, Bad Hersfelder-Straße, Asbachstraße, untere Bertuchstraße und Friedensstraße in Betracht zu ziehen und entsprechende Lösungen (verbunden mit Schallschutzmaßnahmen) zu diskutieren, wurde den Plänen zum Neuen Bauhausmuseum zugestimmt, ohne die Folgen zu durchdenken. Heute sieht man das Dilemma und ist nicht bereit, eigene Fehler einzugestehen. Wenn das kulturelle Interesse in dieser Stadt stärker wiegt als Vernunft und das Interesse der Bürger, dann braucht man sich über die jetzige Ausweglosigkeit im Stadtrat nicht wundern. Auch nicht über emotionsgeladene Diskussionen als Ausdruck der eigenen Hilflosigkeit.

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